Die Reifen, ein Buch mit sieben Siegel?

Das neue Reisemobil ist vom Fahrgestellhersteller mit Pneus versehen worden, die den Sicherheitsanforderungen auch (hoffentlich) gerecht werden. Trotzdem ist es wichtig bei der Pflege der Reifen sich nicht nur auf die sichtbaren Flanken und die glänzenden Felgen zu beschränken. Einige zusätzliche Merkmale über den Reifen musste ich erlernen. Hier habe ich einige Dinge zusammengetragen.
 

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Lexikon Continental


11/2006  Umrüstung unseres Sprinters 416 CDI auf tragfähigere Räder

Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Reisegewicht unseres Robel Megaron ständig am Limit von 4,6 t liegt, haben wir unser Fahrgestell mit neuen Rädern ausgestattet. Aber so einfach wie das hier klingt war die Geschichte nun doch nicht.

Warum überhaupt eine Auflastung: Das Leergewicht unseres Fahrgestelles betrug nach der Übergabe im Werk am 5.4.2005 noch gewogene 3.730 kg.  Es bleibt also noch eine theoretische Zuladung von 870 kg "übrig". Bereits der Einbau eines 170 Liter Dieseltanks am Folgetag erhöhte das Leergewicht (Voll getankt) auf 3920 kg. Jetzt waren es nur noch 680 kg. Weiteres Zubehör fand seinen Einzug im Mobil, Fahrräder mit Halterung in der Garage, Klimaanlage im Aufbau usw. Reisefertig kamen wir dann auf knappe 4600 kg. Für die Achslasten was das kein Problem. Hier blieben uns noch 300 kg -Reserven. Aber die Reifen machten das nicht mit. Die serienmäßig montierten Continental Reifen der Dimension 195/70 R15 C hatten einen Lastenindex 104/102. Bedeutet: Bei Einzelbereifung 900 kg und bei Zwillingsbereifung 850 kg Last pro Reifen.

  • Vorderachse 2 x 900 = 1800 kg (Zulässig sind hier 1750 kg Achslast)
  • Hinterachse 4 x 850 = 3400 kg (zulässig sind hier 3200 kg Achslast)

Rechnerisch sind das 5200 kg für die Reifen. Auch die 15" Felgen könnten diese Masse tragen, wenn der Luftdruck von 4,5 bar immer stimmt. Berichte von Gleichgesinnten und Artikel in den Fachzeitschriften erzählten jedoch von vielen gefährlichen Ausfällen. Es sollte also unbedingt mehr Reserve für die Sicherheit her!
Im Sprinter-Forum fand ich einen Kollegen, der eine Lösung bei der Firma KLS für sein Mobil gefunden hatte. 16 " Räder mit tragfähigeren Reifen. Er stellte mir auch sein TÜV-Gutachten für meine Preisrecherchen zur Verfügung. Reifenhändler fand ich sofort und die Preise waren etwa immer gleich, aber doch deutlich unter dem Preis der Firma KLS. Einen TÜV-Ingenieur fand ich aber nicht, der mein Anliegen in einen verwaltungstechnischen Rahmen packen wollte. Meine DC-Werkstatt machte sich die Arbeit und montierte zur Probe die gewünschten Felgen vom 616 Sprinter an der Hinterachse und die Leute sahen keine technischen Schwierigkeiten für eine einwandfreie Funktion. Offiziell gab es jedoch von DC keine Freigabe für unseren 416 Sprinter. Ich drehte mich im Kreise der Bürokratie. Mir blieb schließlich nichts anderes übrig und mit der Firma KLS handelseinig zu werden.

Für unsere Zwecke sind nun 6 Stahlfelgen 6JX16H2 (616 Sprinter) mit Ganzjahresreifen Michelin Agilis 81 der Größe 225/65 R 16 C aufgezogen worden. Der Lastenindex 112/110, siehe auch die Tabelle weiter unten. Es sind keine weiteren technischen Änderungen am Fahrgestell vorgenommen worden, da unser Fahrerhaus im Originalzustand (Alkoven) geblieben ist. Das Gutachten schließt allerdings einen Anhängerbetrieb von ungebremsten Versionen aus und die gebremste Anhängerlast ist auf 1600 kg begrenzt worden. Das Gesamtgewicht ist von 4,6 t auf 4,9 t erhöht worden. Das Reserverad brauchte jedoch mehr Platz und unsere Mobil-Garage musste ein wenig modifiziert werden.

Der Reifendruck ist für unsere Lasten mit 4,0 bar angegeben. Das die Räder mit Stahlventile ausgerüstet wurden, versteht sich von selbst. Äußerlich ist der größere Umfang zu erkennen, das Fahrgestell ist um ca. 3 Zentimeter höher geworden und die Reifengeräusche sind gleich geblieben, nämlich sehr gering. Die Spurbreite ist ein wenig gewachsen.

Was haben wir erreicht? Die hohen Kosten geben uns und Anderen mehr Sicherheit. Fahrzeugkontrollen brauchen wir nunmehr guten Gewissens nicht mehr zu fürchten. Ganzjahresreifen erfüllen die Kriterien für eine Winterbereifung!

Links 195 - Rechts 225 Größenunterschied 16" zu 15 "
Hinterachse mit 16" Räder Vorderachse mit 16"
Das "Wachstum" Die neue Spurbreite ist nur zu fühlen.
Ein gutes Lexikon findet man hier:
http://www.conti-online.com/generator/www/de/de/continental/automobil/themen/reifentipps/tipps/reifenlexikon_de.html

Ventilverlängerung für Zwillingsbereifung:

Metallventile zu verwenden reicht bei einer Zwillingsbereifung an der Hinterachse nicht immer aus, um gefahrlos unterwegs zu sein. Hier wurde ich durch einem Artikel in der promobil 12/2007 auf die Firme Glauch Produkt GmbH aufmerksam.
Hier ist eine ausführliche Produktbeschreibung als PDF-Datei zum Download bereit. Es lohnt sich!

Rund um den Reifen


Luftdruck
Zu niedriger Luftdruck führt zu einer starken Erwärmung des Reifens und damit zu der Gefahr eines Reifenschadens. Außerdem beeinträchtigt zu niedriger Luftdruck die Fahrstabilität, fördert den Verschleiß und verursacht höheren Kraftstoffverbrauch. Deshalb Luftdruck alle 14 Tage am kalten Reifen prüfen. Grundsätzlich nie verkehrt: Füllen Sie 0,2 bar mehr ein als vorgeschrieben ist, da die Fahrzeughersteller aus Komfortgründen meist nur den Mindestdruck angeben. Reserverad nicht vergessen! Ventilkappen immer fest aufschrauben, fehlende sofort ersetzen.

Profiltiefe
Bereits bei einer Profiltiefe von 4 mm nimmt die Haftung des Reifens, insbesondere der Breitreifen, bei Nässe deutlich ab. Die Reifen können den Wasserfilm nicht mehr verdrängen, sie verlieren den Kontakt zur Straße, das Fahrzeug läßt sich nicht mehr lenken und bremsen. Deshalb Reifen nicht bis auf die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm abfahren. Je nach Breite der Sommerreifen spätestens bei 2 bis 2,5 mm, Winterreifen bereits bei 4 mm Restprofiltiefe erneuern.

Winterreifen
Bei lockerem Schnee und Matsch haben M+S Reifen deutlich bessere Hafteigenschaften als Sommerreifen. Die Wintertauglichkeit von Breit und Hochgeschwindigkeits-Reifen (für Fahrzeuge über 210 km/h) ist meist unbefriedigend. Deshalb in schneereichen Gegenden auf M+S Reifen umrüsten. Luftdruck um 0,2 bar erhöhen. Tempolimit beachten. Plakette mit der Reifenhöchstgeschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers anbringen, falls diese unter Fahrzeughöchstgeschwindigkeit liegt.

Reifenersatz
Bei der Verwendung unterschiedlicher Reifentypen verschlechtern sich die Fahreigenschaften. Mischbereifung (Diagonal-/Radialreifen) ist sogar verboten. Deswegen auf allen vier Rädern (mindestens allerdings auf einer Achse) Reifen gleichen Typs verwenden. Neues Reserverad in den Tausch der Reifen einbeziehen. Im Zweifelsfall bessere Reifen auf der Hinterachse einsetzen. Es dürfen grundsätzlich nur Reifen auf Ihrem Fahrzeug gefahren werden, deren Bezeichnung in den Fahrzeugpapieren angegeben ist. Bei der Neumontage von Reifen auch neue Ventile verwenden.

Reifenalterung
Reifen
altern, auch wenn sie nicht benutzt werden! Die Sicherheit von alten Reifen nimmt deutlich ab. Deshalb Reifen, die älter als 8 Jahre sind, nicht mehr verwenden.

Bordsteinparken
Heftiges Anprallen gegen Bordsteine ist gefährlich. Es kann zu versteckten Reifenschäden führen, die sich erst später bemerkbar machen. Deshalb Bordsteinkanten nur langsam und möglichst im rechten Winkel überrollen, Reifen nicht an Bordsteinkanten quetschen und nicht auf nur einem Teil der Aufstandsfläche abstellen.

Reifenschäden
Durch offene Verletzungen des Gummimaterials des Reifens dringt Feuchtigkeit z. T. bis zu dem Reifenunterbau ein und führt dort zu Korrosion und Schwächung der Stahldrähte des Gürtels. Die häufige Folge ist ein Ablösen der Lauffläche. Deshalb Reifen regelmäßig auf eingedrungene Fremdkörper, Risse und Beulen überprüfen. Beschädigte Reifen am besten möglichst schnell ersetzen. Das Einziehen eines Schlauches ist nur ein Notbehelf.

Reifenlagerung
Gummi altert durch Wärme, Feuchtigkeit und bei Sonneneinstrahlung stärker und wird durch viele Lösungsmittel angegriffen. Deshalb Reifen in einem trockenen, kühlen Raum möglichst dunkel lagern, Reifen ohne Felgen stehend, sonst liegend lagern. Berührung mit Benzin, Öl und Fett vermeiden.

.... noch ein Wort zu Reifenschäden:
Reifen
gehören zu den Teilen des Autos, die größte Bedeutung für die Sicherheit haben. Man erwartet, dass Reifenschäden nur äußerst selten auftreten. Und doch versagen etwa 3 Millionen Reifen pro Jahr in Deutschland vorzeitig ihren Dienst. Die Defektursachen sind jedoch nur in den seltensten Fällen vom Reifenhersteller zu vertreten.
Viel häufiger sind Reifenschäden zurückzuführen auf:

  • Äußere Einwirkung, z. B. Einfahr- und Schnittverletzungen
  • Anwendungsfehler, z. B. Fahren mit zu niedrigem Luftdruck, Überfahren von Bordsteinen usw.

Tückisch ist, daß Reifen ein "Gedächtnis" für Fehlbehandlungen haben. Das unvorsichtige Überfahren eines Bordsteines oder das Fahren mit zu geringem Luftdruck kann schon längere Zeit zurückliegen, bis es zum äußerlichen Defekt des Reifens kommt.
Wenn ein Reifendefekt auftritt, der vermutlich auf einen Herstellungsfehler zurückzuführen ist, sollte der Reifen über den Fachhandel an den Hersteller zur Reklamation eingereicht werden. Wird die Reklamation anerkannt, erstattet der Reifenhersteller je nach der Restprofiltiefe des Reifens einen Teil des Reifenpreises.

Wird die Reklamation mit einer unzutreffenden Begründung abgelehnt, besteht die Möglichkeit, von einem anderen Reifenhersteller kostenlos eine Kontrollprüfung durchführen zu lassen. Tritt durch den Reifendefekt auch ein Schaden am Fahrzeug oder sogar Personenschaden auf, kommen die gesetzlichen Regelungen der Produzentenhaftung zum Tragen. Wegen der komplexen juristischen Probleme empfiehlt es sich, in diesen Fällen einen Anwalt einzuschalten.       


Tragfähigkeit:

Last-Index (LI)

LI kg LI kg LI kg LI kg LI kg LI kg
19 77,5 50 190 81 462 112 1120 143 2725 174 6700
20 80 51 195 82 475 113 1150 144 2800 175 6900
21 82,5 52 200 83 487 114 1180 145 2900 176 7100
22 85 53 206 84 500 115 1215 146 3000 177 7300
23 87,5 54 212 85 515 116 1250 147 3075 178 7500
24 90 55 218 86 530 117 1285 148 3150 179 7750
25 92,5 56 224 87 545 118 1320 149 3250 180 8000
26 95 57 230 88 560 119 1360 150 3350 181 8250
27 97,5 58 236 89 580 120 1400 151 3450 182 8500
28 100 59 243 90 600 121 1450 152 3550 183 8750
29 103 60 250 91 615 122 1500 153 3650 184 9000
30 106 61 257 92 630 123 1550 154 3750 185 9250
31 109 62 265 93 650 124 1600 155 3875 186 9500
32 112 63 272 94 670 125 1650 156 4000 187 9750
33 115 64 280 95 690 126 1700 157 4125 188 10000
34 118 65 290 96 710 127 1750 158 4250 189 10300
35 121 66 300 97 730 128 1800 159 4375 190 10600
36 125 67 307 98 750 129 1850 160 4500 191 10900
37 128 68 315 99 775 130 1900 161 4625 192 11200
38 132 69 325 100 800 131 1950 162 4750 193 11500
39 136 70 335 101 825 132 2000 163 4875 194 11800
40 140 71 345 102 850 133 2060 164 5000 195 12150
41 145 72 355 103 875 134 2120 165 5150 196 12500
42 150 73 365 104 900 135 2180 166 5300 197 12850
43 155 74 375 105 925 136 2240 167 5450 198 13200
44 160 75 387 106 950 137 2300 168 5600 199 13600
45 165 76 400 107 975 138 2360 169 5800 200 14000
46 170 77 412 108 1000 139 2430 170 6000 201 14500
47 175 78 425 109 1030 140 2500 171 6150 202 15000
48 180 79 437 110 1060 141 2575 172 6300 203 15500
49 185 80 450 111 1090 142 2650 173 6500 204 16000

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