Mercedes Sprinter 518 und seine Hinterachse

Nachdem nun 18.000 Kilometer über Asphalt und Schotter und einer ständigen Auslastung zwischen 5,0 und 5,35 t  mit dem Sprinter hinter uns liegen, haben wir uns wegen der zusätzlichen Investition etwas zähneknirschend entschlossen doch die weiche Konstruktion der Sprinter - Hinterachse verändern zu lassen. Querrillen und auch Kurvenfahrten wurden mit dem hohen Aufbau und trotz der vielen 'Reisemobil-Optionen' leicht zum Risiko für Geschirr und Insassen. Viele Gespräche mit den Fachleuten der Firmen KLS, Sawiko, Goldschmitt und weiteren Anbietern entsprechender Technik haben uns zuerst sehr verwirrt. Jeder war der Meinung, dass seine technische Lösung und natürlich sein Preis das beste Paket für uns sei.
Unsere Entscheidung haben wir nun nicht nur nach dem besten Preis gefällt, sondern die kompetenteste Beratung sowie der vorgefundene Service und die Liefersituation halfen uns beim Zuschlag. Die Firma Goldschmitt hat uns im November 2009 drei Komponenten eingebaut, welche die Hinterachse stabilisiert, ausgleicht (anhebt) und etwas härter abfedert. ESP bleibt unberührt und ist weiterhin funktionstüchtig.

  1. Stabile Zusatzluftfedern als Einkammerbalg-Anlage mit Zweikreis Bedienteil und Kompressor eingebaut.

  2. Spezial-Stabilisator für unsere ständig sehr hohe Auslastung gegen den Serien-Stabilisator (Mercedes - Option 'Wohnmobil') ausgetauscht.

  3. Serienstoßdämpfer (Mercedes - Option 'Wohnmobil') gegen KONI - High & Heavy Spezialstoßdämpfer (Zug- und Druckstufe) ausgetauscht.

In dieser Kombination soll die Wankneigung bei hohem Aufbau verbunden mit ständig hohem Gewicht vermindert werden. Die durchgebogenen Blattfedern werden sichtbar entlastet und auch im Stand steht das Fahrzeug ohne Stützen stabiler. Die Sicherheit bei starkem Seitenwind wird mit diesen Maßnahmen ebenfalls verbessert, denn das Fahrzeug knickt nicht mehr so schnell seitlich ein.
(Eine ESP - Fehlermeldung bei Sturm in Spanien hatte hier ebenfalls seine Ursache.)
Eine Zwei-Kreis-Druckluftanlage für das Luftfedersystem befüllt die beiden Luftbalge per Kompressor separat. So könnten ebenfalls unterschiedliche Radlasten ausgeglichen werden. Bei unserem Fahrzeug ist diese Situation nicht gegeben, da die Radlasten an der Hinterachse bis auf ein Kilogramm gleich verteilt sind. Die Befüllung und die Kontrolle wird im Fahrerhaus vorgenommen. Ein Doppelmanometer mit drei Tasten sind dafür bedienerfreundlich eingebaut worden.

Der Einbau inklusive Wiegeprotokoll wurde in vier Zeitstunden von insgesamt vier Monteuren schnell und fachgerecht erledigt. Auch das TÜV-Gutachten lag uns nach dieser Zeit vor und wir hätten sogleich unsere Reise fortsetzen können. Wir blieben aber noch über Nacht auf dem vorhandenen Stellplatz (mit VE) der Firma stehen und besichtigten mit einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leihwagen den nahen Wallfahrtsort Walldürn mit seiner prachtvollen Basilika und genossen die kulinarischen Kostbarkeiten des Ortes.

Wie sich diese neuen und zusätzlichen Teile während der nächsten Straßenkilometer bewähren, berichte ich weiter unten, wenn entsprechende Erfahrungswerte vorliegen. Ein befreundeter Münchner Reisemobilist (Helmut D.) ist jedenfalls nach einigen tausend Kilometern mit dieser neuen technischen Kombination an seinem 516 Hymer zur Zeit sehr zufrieden. Schauen wir mal.....
 

Der Stabilisator (gelbes Teil) ist doppelt so stark, wie der von Mercedes gelieferte Wohnmobil-Stabilisator!
Der Einkammerbalg sieht sehr stabil aus. (1-8 bar Druck) Die KONI Spezialstoßdämpfer mindern das Wanken
Die Blattfeder(n) wird augenscheinlich entlastet Der kleine Kompressor für die Balge.

2009/2010

2010/2011

Firma Goldschmitt - Technik - Zentrum in Walldürn  
Nach einer Woche ein erster Servicefall, hier eine Email Zusammenfassung gerichtet an Firma Goldschmitt -


Am 16.11.2009 haben sie die Hinterachse unseres Reisemobiles mit Mercedes 518 Fahrgestell nach einer guten Beratung modifiziert. Das nun genau eine Woche später die Zusatzluftfedern nicht mehr mit Luft befüllt werden konnten war ein wenig ärgerlich.

Denn wir waren nun bereits in Dresden und schnell mit unserem Latein am Ende. Der Servicefall in aller Kürze dargestellt.

  • Anrufannahme von einer sehr netten weiblichen Stimme, da kein 'Mann' frei war: Wir rufen zurück!

  • Rückruf erfolgte nach einiger Zeit. Der Fall wurde von Herrn E. technisch erfasst, 'ich rufe nochmals zurück'

  • Erneuter Rückruf nur wenig später: Ich schicke per UPS einen Kompressor zur Firma Schaffer in Dresden, die bauen das Teil an.

  • Kontaktdaten wurden mir per SMS zugeschickt.  PRIMA!

  • Nächsten Tag mit dem Service-Meister Herrn M. bei Schaffer telefoniert, Teil da, Termin - jeder Zeit!

  • Am nächsten Morgen, unserem geplanten Abreisetag, wurde bei Schaffer nur eine kopflos gewordene Masse schraube ausgebohrt und ersetzt.


Der Kompressor war nicht defekt, sondern nur eine Unterbrechung im Stromkreis wurde behoben. So nach dem Motto: Nach fest kam lose.

Die Garantiereparatur hat nur wenige Minuten in Anspruch genommen. Alleine die Formalitäten waren aufwendiger. Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihren sehr guten Kundendienst. So etwas habe bislang nur in den USA kennen gelernt. Ich bin nun gewiss Ihr Kunde und werde Ihr Unternehmen immer wieder lobend erwähnen. Auch, dass Sie mir freundlicher Weise das vergessenen Wiegeprotokoll unaufgefordert nach geschickt haben, schließt einen guten Kreis.

Mit freundlichen Grüßen

 


In der Erwartung, dass wir in der Zukunft mehr Spaß wie Servicefälle haben, berichte ich demnächst hier weiter.

Nachtrag im Juni 2010: Das modifizierte Fahrwerk unseres Sprinters konnten wir während einer Rundreise auf Island so richtig austesten! Viele Bodenwellen, hunderte Kilometer auf Schotterpisten und sehr starke Seitenwinde haben wir im Mai-Juni 2010 auf der Insel vorgefunden. Auch die zusätzlichen Luftbalge haben ihre Pflicht zum Beispiel bei den steilen Rampen der Fähre erbracht.

Bei den Bodenwellen zeigte sich die Wirkung der neuen Koni Stoßdämpfer besonders intensiv. Die Hinterachse drückte sich durch und richtete sich dann behutsam wieder auf und das war es dann auch. Kein Schaukeln und kein Nachfedern! Die beiden Luftbalge sorgten bei unserer hohen Auslastung (+- 5 Tonnen) für ein ausgeglichenes Niveau. Für die Fähre habe ich dann kurzfristig den Druck von 3,8 auf 6 bar erhöht. Die Hinterachse richtete sich damit merklich um ca. 1-2 Zentimeter auf. Obwohl unser Aufbau bereits mit sehr viel Bodenfreiheit versehen ist und der Überhang nicht zu weit von der Hinterachse entfernt ist, hilft diese Möglichkeit ein Aufsetzen der hinteren Stoßstange bei steilen Auffahrten zu verhindern. Natürlich werden ebenfalls die beiden Blattfedern entlastet. Die Empfindlichkeit bei starken Seitenwinden ist merklich geringer geworden. Das Fahrzeug knickt zwar immer noch ein, aber wesentlich weniger und dazu auch nicht mehr so intensiv und so spontan.

Fazit: Im Stand wackelt das Fahrgestell beim Betreten zwar immer noch, aber die Stabilität im Fahrbetrieb hat sich merklich verbessert. Wir sind froh diese zusätzliche Investition gemacht zu haben. Wenn ich 40 - 50 Kilogramm Gewichtsreserve hätte, würde ich auch noch hydraulische Stützen montieren lassen. Das Fahrzeug wäre dann auch im Stand nahe an einem Idealzustand.

Nachtrag im September 2010: Auf der Suche nach überflüssigen Pfunden bin ich fündig geworden. Genau 38,5 Kilogramm habe ich gefunden. Nun ist der Weg frei für eine automatische Hydraulik-Stützenanlage. Ich werde wieder versuchen ein paar Fotos von der Montage mit zu bringen.
 

Automatische Hydraulische Stützenanlage


A
m 27. September 2010 hatten wir in Walldürn bei der Firma Goldschmitt einen Einbautermin für eine neu entwickelte Stützenanlage. Theoretisch hörten sich die technischen Weiterentwicklungen sehr gut an. Zum Beispiel wurden die Teller auf sagenhafte 230 mm Durchmesser vergrößert, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Die GST Technologie: Beide Ölanschlüsse sind am oberen Rand des jeweiligen Druckzylinders gemeinsam mit dem Sicherheitsdrucksensor platziert. 30 - 40 % Gewichtsersparnis, denn der Pumpenblock wiegt nur noch 8,6 Kilogramm. Einfache erstmalige Kalibrierung, automatisches Ausrichten durch paarweises Ausfahren der Hubstützen auf der schiefen Seite, bis zur vollständigen waagegenauen Ausrichtung.  Manueller Betrieb für Tankentleerung und Reifenwechsel ist möglich. Die Sensoren für die Ausrichtung befinden sich im Elektronikblock im inneren des Fahrzeuges.

Wie aber würden die langen Stützen Vertical Star - Standhöhe 610/ Länge der Stützen 457 mm von den Fachleuten von Goldschmitt bei unserem 518 Sprinter montiert werden?  Natürlich wurden wir bei der Montage nicht enttäuscht. Drei Mitarbeiter arbeiteten von 08:00 - 17:00 Uhr an unserem Fahrzeug. Während wir anfangs gemeinsam mit dem verantwortlichen Techniker den Installationsort für den Pumpenblock und das Bedienteil der zur Zeit lieferbaren Basic - Version besprochen hatten, legten bereits zwei Mann am Fahrwerk mit der Konstruktion der Adapterplatten los, einer an der 'Hinterachse', ein weiterer Metaller an der 'Vorderachse'. Ich durfte nach Rücksprache wieder dabei bleiben und auch Fotos von der Technik machen. Da diese neue Goldschmitt - Technik noch nicht so oft verbaut wurde, schaute der verantwortliche Goldschmitt Entwickler zeitweise im Technikzentrum rein und hielt mit den Monteuren Rücksprache. Da es sich zur Zeit um eine kleine Vorserie handelt, kann es hier und dort eventuell ein wenig klemmen, muss aber nicht. Ein Update auf die spätere endgültige Version wird uns im Gespräch vertrauensvoll garantiert. Am Ende der Montage wurden die neuen Teile in einer dafür vorgesehenen Halle kräftig eingewachst, damit die Korrosion nicht so schnell Einzug hält. Für die nächste Nacht waren wir wieder Gäste auf dem Stellplatz vor den Toren der Firma Goldschmitt.

In ein bis zwei Monate soll dann auch ein Upgrade auf die gewünschte Premium Version durch den Austausch von Steuergerät und Bedienteil möglich sein.

Wir werden nun jede Nacht durch eine automatische Waage wankelfrei schlafen und wir freuen uns über die komfortable Investition. Hier nun ein paar Bilder.
 

Das neue moderne Gebäude in Walldürn Lange saubere Montageplätze finden wir vor
Hier soll der Pumpenblock eingebaut werden Sensorkabel, Stromkabel und die Schläuche
Opfer: Der Behälter für das Reifenfüllset muss weg. Metallhalter werden verzinkt angefertigt und montiert..

 
....und der Vertical Star darauf montiert ('Hinterachse') Hier eine der vorderen Stützen
Blick auf die Hinterachse Pumpenblock und Elektronik sind fertig montiert
Hier ist die Größe gut zu erkennen. Schöner Blick auf die hinteren Stützenteller
Der Kabelsalat' und 'Schlauchsalat' Trotzdem fein verlegt
Stabil und sauber montiert!! Das einfache Basic - Bedienteil am Einstieg

Da die Pumpenstation in dem großen Stauraum ungeschützt untergebracht wurde, besteht die Gefahr, dass durch die Metallstühle ein Kurzschluss verursacht werden könnte. Also haben wir einen kurzfristigen Termin bei unserer Manufaktur und Edelschmiede Dopfer Reisemobilbau gemacht und auch bekommen. Die großartigen Handwerker haben die Pumpe in einen sicheren Raum eingeschlossen, die natürlich durch eine Wartungsklappe jederzeit zu erreichen ist. Vielen Dank wieder einmal für die gute Arbeit.
 
Gerne kommen wir nach Neuburg a.d. Kammel Der Service - Kastenbau beginnt.
Nach wenigen Stunden ist der neue Serviceraum fertig. Der Zugang zur Technik ist immer gesichert.

Nachtrag im Januar 2011

N
ach 4 Monaten mit den Stützen haben wir in Spanien und weiteren Fahrten erste Erfahrungen mit dem hydraulischen Stützensystem sammeln können. Unsere Zwischenbilanz mit der Funktion und der Standfestigkeit sieht sehr positiv aus. Das absolute Topergebnis erzielten wir allerdings erst nach dem gerade erfolgten Upgrade auf die von vornherein gewünschte und zwischenzeitlich lieferbare 'Premium - Version' mit der Hubstützensteuerung 'iLift Comfort'!
Diese Bedienung lässt zur Zeit keine Wünsche offen. -

Die übergangsweise installierte 'Basic' - Bedienung ist einfach gestrickt und auch einfach zu handhaben. Allerdings sind die mit einer Folie geschützten Tasten sehr schwergängig und die wenigen Tasten ragen sehr weit heraus, sodass man leicht mit dem Fingernagel die Folie verletzen kann. Die Bedienung beschränkte sich auf das automatische und das manuelle Ausrichten und das Abspeichern des Nullpunktes für die Libelle.

Die Comfort Bedieneinheit ist ein ganz anderes Pfund. In der Menüsteuerung lassen sich weitere Funktionen aufrufen. Zum Beispiel: Eine Winterposition, eine Schlafposition, Entleerung des Wassertanks, Reifenwechsel links wie rechts und durch die Eingabe einer PIN ist eine 'Wegfahrsperre' bei ausgefahrenen Stützen gesetzt. Selbstverständlich ist auch das Ausrichten automatisch wie auch manuell sehr leicht zu steuern. Im deutlichen Display sind die einzelnen Hubstützen optisch abgebildet und sie lassen sich bei ihrer Arbeit auch hier in einer aktiven Symbolik beobachten.
Für dieses Upgrade musste auch die Steuereinheit komplett ausgetauscht werden, da es sich hier um ein anderes Konzept handelt. Eine Schnittstelle zu einem nachträglich installierten Router für die iLift Funktion, die Bedienung per Goldschmitt - Applikation für das Apple IPhone etc., ist ebenfalls in dieser Steuerung vorhanden. Die Libelle für das automatische Ausrichten sitzt jetzt außerhalb der Steuerung, jedoch noch immer im Inneren des Fahrzeugs.

Einige kleine mechanische Fehler während unserer Erprobungsfahrten, die durch nochmaliges Drücken der entsprechenden Taste beseitigt werden konnten, wurden mit ersten Fertigungstoleranzen einzelner kleiner Teile erklärt. Folgende bereits durchgeführte Arbeiten sollen die Funktionstüchtigkeit und die Sicherheit der Anlage bei allen Wetterlagen nun absolut sicher stellen:

  • Austausch der Drosseln im Zylinder

  • Austausch des Hydrauliköls gegen ein Öl mit hervorragendem Kältefließverhalten

  • Druckanpassung eines mechanischen Ventils.

Unsere Zufriedenheit mit dieser Technik hat einen weiteren Höhepunkt erreicht. Das Goldschmitt - Team hat uns auch bei dieser Innovation mit dem Produkt und ihrem Umgang mit uns, ihrem Kunden, überzeugt.